Ziel und Wirkungsweise von Psychotherapie

Psychotherapie ist die professionelle Unterstützung zur gezielten Veränderung von Gedanken, Gefühlen und Verhalten um (wieder) eine zufriedenstellende Lebensführung zu ermöglichen. Diese Veränderung geht vom Patienten/der Patientin aus und wird vom Therapeuten/der Therapeutin begleitet. Dazu stehen je nach Therapieschule verschiedene Konzepte und Techniken zur Verfügung. Bei aber fast allen Schulen ist das therapeutische Gespräch zentral.

Der Psychotherapieforscher K. Grawe hat auf Grundlage vieler Studien fünf Wirkfaktoren identifiziert, die unabhängig von der Therapieschule von grosser Wichtigkeit dafür sind, dass eine Psychotherapie wirksam sein kann. Diese Faktoren sind:

  • Therapeutische Beziehung: Die Qualität der Beziehung zwischen dem Therapeuten/der Therapeutin und dem Patienten/der Patientin ist für den Erfolg der Behandlung relevant. Dazu gehört bspw. die Übereinstimmung bzgl. der Ziele der Therapie und der zum Einsatz kommenden Methoden.
  • Ressourcenaktivierung: Die hilfreichen Eigenschaften und Besonderheiten, die jeder Mensch hat, werden in der Therapie genutzt und gefördert – bspw. Erfahrungen, Fähigkeiten und Interessen.
  • Problemaktualisierung: Es ist wichtig, dass die Probleme, die in der Therapie verändert werden sollen, im geschützten Rahmen der Therapie aktiviert werden. Dazu können bspw. reale Situationen aufgesucht, Rollenspiele oder Imaginationsübungen durchgeführt werden. Als Analogie dazu dient das Bild vom "Eisen, das heiss sein muss, um es zu schmieden". 
  • Motivationale Klärung: Die Ursprünge und Hintergründe des problematischen Erlebens und Verhaltens müssen erkannt werden. Diese liegen häufig in zurückliegenden Erfahrungen. Aber auch in der Gegenwart kann es Faktoren geben, die zum Fortbestand des Problems beitragen.
  • Problembewältigung: Der Patient/die Patientin wird von der Therapeutin/dem Therapeuten dabei unterstützt, die Probleme zu bewältigen. Dies kann beispielsweise die Verbesserung der Fähigkeit zur Regulation von Gefühlen, die Fähigkeit zur angemessenen Durchsetzung eigener Interessen, die aktivierende Gestaltung des Tages, die Verbesserung der Schlafqualität oder vieles andere sein – je nachdem, was die jeweiligen Probleme des Patienten/der Patientin sind.

Wie die Therapie konkret abläuft, hängt ganz wesentlich vom Problem und den Zielen des Patienten/der Patientin sowie der Ausbildung und der Erfahrung des Therapeuten/der Therapeutin ab. Ich orientiere mich sehr stark an den o.g. Wirkfaktoren, sowie weiteren Erkenntnissen der Psychotherapieforschung.


Voraussetzungen für eine Psychotherapie

Für eine ambulante Psychotherapie wie ich sie anbiete - also ausserhalb einer Klinik - müssen seitens des Patienten/der Patientin gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Insbesondere ist es notwendig, dass trotz der bestehenden Probleme ein Mindestmass an psychischer Stabilität besteht, also v. a. keine akute Suizidalität, keine Intoxikation und keine unbehandelten sog. psychotischen Symptome (Wahnvorstellungen, Verlust des Realitätsbezuges, starke Agitiertheit etc.). Zudem ist es notwendig, dass Termine und andere Absprachen, einschliesslich der Zahlungsverpflichtungen, eingehalten werden können.

Bei psychischen Problemen, die auch auf eine körperliche Ursache zurückgehen könnten und/oder bei denen eine Behandlung mit Psychopharmaka vorrangig ist (bspw. schwere Depressionen oder Psychosen), empfehle ich die vorgängige Abklärung und ggf. auch Behandlung in einer (psychiatrischen) Arztpraxis.

Für den Erfolg und v. a. die Nachhaltigkeit einer Psychotherapie sind zudem seitens der Patienten folgende Voraussetzungen förderlich:

  • Offenheit: Die Bereitschaft, mit fortschreitender Dauer der Therapie auch relevante unangenehme Dinge offenzulegen - der Therapeut/die Therapeutin kann nämlich nur dann eine optimale Behandlung anbieten, wenn er/sie über alle notwendigen Informationen verfügt.
  • Auseinandersetzungsbereitschaft: Die Bereitschaft, allenfalls auch kritische Rückmeldungen und Nachfragen durch den Therapeuten/die Therapeutin
    zu akzeptieren und diese zu reflektieren. Der psychotherapeutische Prozess basiert letztendlich darauf, dass der Patient/die Patientin an den eigenen
    Mustern arbeitet. Er/sie wird dabei angeleitet und unterstützt. Die innere Veränderungsarbeit kann aber nicht vom Therapeuten für den Patienten/die Patientin übernommen werden. Der Lohn für diese Arbeit ist, dass der Patient/die Patientin mit der Zeit selbst der Experte/die Expertin für die eigenen Probleme wird und weniger auf den Therapeuten/die Therapeutin angewiesen ist.
  • Geduld: Die Probleme, die in einer Therapie zur Sprache kommen, haben sich nicht selten über Jahre, oder gar Jahrzehnte, entwickelt. Problematische Muster verfestigen sich mit der Zeit, werden als normal erlebt und sind nur noch langfristig veränderbar.

Eine wirksame Psychotherapie kann also herausfordernd und auch anstrengend sein. Selbstverständlich unterstütze ich Sie aber dabei, sich auf den therapeutischen Prozess einzulassen.


Mögliche Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie

Eine Psychotherapie kann Effekte haben, die Patienten zusätzlich belasten können. Dazu gehören:

  • Phasen der Symptomverschlechterung (bspw. aufgrund der Aufmerksamkeitsfokussierung)
  • Phasen von Selbstüberschätzung oder Selbstzweifeln (nach Erfolgen oder Rückschlägen)
  • Beziehungen und berufliche Engagements können sich verändern oder in Frage gestellt werden
  • die finanzielle und zeitliche Belastung
Obwohl Psychotherapie in vielen Fällen zu einer Symptomminderung bzw. zu einer Verbesserung des Befindens und der Belastbarkeit führt, ist dies nicht immer der Fall. Eine Psychotherapie kann - auch bei richtiger und ausreichend langer Behandlung sowie umfassender Mitarbeit des Patienten/der Patientin - erfolglos sein.